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WIE ALLES BEGANN ODER: WIE AUS FASCHINGSNARREN

" NARRENWEIBER" WURDEN...

 
Der Karnevalsumzug in Cottbus im Februar 1996 war wie jedes Jahr schön. Auf dem Altmarkt verkaufte Ulli Seypt seine Narrenartikel: Tröten, Kappen, Konfetti. Nachdem der Zug durch war , schwärmte Marion bei Ulli: " Da müssten wir auch mitmachen ". Ulli , als Mann der Tat , meinte : " Frag meine Frau, die macht bestimmt mit ". Marion fragte Monika, später Nachbarin Ingrid, Journalistenkollegin Carola und Rosi von der Stadtverwaltung. Sie sagten ja, Rosi fragte Gudrun und Martina von der Stadtverwaltung und diese Sieben trafen sich zu einer ersten Besprechung im Beratungsraum über Carsten´s Wunderbar. Die Frauen wurden sich einig: Wir wollen Karneval, wir wollen was für Kinder tun und wir wollen einen Frauenverein. Beim Wollen blieb es nicht: Der Verein wurde am 2.April 1996 ins Leben gerufen, sieben Frauen besiegelten ihren Willen beim Notar in der Berliner Straße. Dann ging´s ans Funkengruppe gründen. Jeanette Kölling leitete die erste Funkengruppe, die im Haus der Freizeit trainierte. Am 11.11.1996 standen die Frauen vom neu gegründeten Verein Cottbuser Narrenweiber das erste Mal mit auf der Bühne beim Rathaussturm. Renate Ratzki hatte die schicken weißen Uniformen mit grünem Glitzerkragen geschneidert.Der Schlachtruf " Schnipp schnapp - Schlips ab " erklang erstmals. Premiere hatte das Symbol mit der Schlips abschneidenden Schere gezeigt. Ingrid Barthold, eine bekannte Cottbuser Textilgestalterin, hatte die Fahne mit dem Symbol genäht. Bürgermeister Bernhard Neisener kommentierte damals beim ersten Rathaussturm der Narrenweiber: " So schick, wie ihr aussieht, so würde ich mir auch die Politessen der Stadt Cottbus wünschen ".
 

Von Weberei bis Gasthof Sielow - oder

Wo Narrenweiber ihre Spuren hinterlassen haben

 
Unsere erste Veranstaltung fand in der Weberei in Cottbus statt. Das erste Motto: " Raus aus der Küche - rein ins Vergnügen " hat uns damals aus dem Herzen gesprochen, obwohl wir alle wohl keine richtigen " Küchentiger " waren. Als Bühnendekoration haben wir eine alte Küche aufgerissen. Besorgt wurde die von unserem ersten männlichen Fan, unserem späteren Mitglied Gerd Drasdo. Er hatte uns beim Rathaussturm gesehen und meinte: " Euch helfe ich Mädels, ich kann malen ". Darüber waren wir happy, er konnte auch Wurfmaterial organisieren, bis ihn die Arbeit zwang bei uns auszusteigen. Zur Dekoration gehörten von Anfang an zwei wichtige Elemente: große Luftballontrauben und die von uns bei der Weiberfastnacht, am Donnerstag vor Rosenmontag, eroberten abgeschnittenen Schlipse. Die ersten beiden Männer, die uns damals aktiv bei der Veranstaltung unterstützten, waren Uwe Schubert und Uwe Hirche. Als gestandene Polizisten übernahmen Sie den Einlassdienst. Sie ließen eine ziemlich interessante Gestalt rein: einen Herrn mit Schutzmaske . Diese Maske legte der Gast den ganzen Abend nicht ab, schwitzte sich wahrscheinlich tot darunter, aber was tut man nicht alles aus Eifersucht: Es war der Ehemann von Martina, der glaubte, dass wir ihn so nicht erkennen, der so seine Frau beobachten wollte, weil er nicht wollte, das sie bei uns mitmacht. Heute ist er längst nicht mehr Martinas Mann. Köstlich war auch unser erstes Männerballett, drei junge Herrn, die aus einem Ei schlüpften, aber das kaum noch konnten , weil sie sich vorher schon abgefüllt hatten. Sie meldeten sich dann auch als Männerballett ab. Hilde Müschner aus Saspow gestaltete mit ihren Männern eine Modenschau. Als das Uwe und Uwe sahen, meinten sie, dass sie das auch könnten und so wurde der Gedanke  für ein richtiges Männerballett geboren, der dann im zweiten Jahr umgesetzt wurde. Über die ersten drei Veranstaltungen in der Weberei gibt es noch drei erwähnenswerte Dinge: 1. Mit Rainer Mandel hatten wir den besten DJ der Stadt engagiert. 2. Unsere Funken mit Susi, Oelsch-Schwestern und anderen traten zum ersten mal auf. Sie trugen Gardekostüme, die wir vom Verein Cottbuser Karneval geliehen bekommen hatten, die aber damals farblich nicht beim VCK reinpassten, bei uns aber auf Grund von Grün-Weiß-Gold sehr gut passten. Weil es in der Weberei keinerlei Umkleidemöglichkeiten gab, wurde von uns Jörg Hannemann beauftragt, einen Bus vor die Weberei zum Umziehen zu stellen. Darin haben sich die Funken unter Schutz von Uwe und Uwe ( wahrscheinlich haben die mehr geguckt als bewacht ) umgezogen.
3. Zur ersten Weiberfastnachtsveranstaltung waren nur Frauen und Personen, die wie Frauen aussehen, zugelassen. Ein Rotkäppchen, dass uns die Sympathien am Abend mitteilte, entpuppte sich als Karnevalsfan und wurde in der zweiten Session unser erster Karnevalsprinz Thomas l.. Zur Weiberfastnacht haben wir Frauen uns einen ganz besonderen Programmpunkt geleistet: einen Stripteasetänzer. Der kostete damals 1000 DM, war große Klasse. Wir haben ein Jahr lang seine Rechnung abgezahlt.
 Im zweiten Jahr hatten wir Kontakte zu Detlef Bothe als DJ, feierten dann in der renomierten Gaststätte " Stadt Cottbus ". Da gab auch unser diesjähriges Prinzenpaar Diana l. und Uwe l. seinen Einstand im Programm. In der zweiten Session hatten wir die glorreiche Idee, auch eine Veranstaltung am Faschingsdienstag zu machen. Leider kamen nur vier Gäste, es wurde trotzdem ein schöner Abend, weil alle Zeit hatten, um sich das Programm auch mal selbst anzuschauen. Unser Prinz Thomas weinte früh gegen 4 Uhr an der Bar, weil er nun nie wieder Prinz sein kann.
Nachdem uns GEMA-Gebühren mit Detlef Bothe auseinander brachten, hatten wir ersten Kontakt mit Olaf Schöpe, der uns die Freizeitoase als Spielstätte in Ermangelung anderer Säle in der Stadt, anbot. Wir probierten es, bezogen unser Programm auf die Bowlingbahn oben - den Himmel und auf die Kegelbahn unten - die Hölle. Programm in zwei Etagen war etwas Neues. Unser Funkenmariechen Sophie hatte Premiere, aber Arthur der Engel (Uwe) half nicht: Die Gäste wollten hier bowlen und kegeln und nicht Fasching feiern. Aber Olaf Schöpe hatte eine Alternative: Mittlerweile war der Gasthof Sielow für uns zu haben, weil sich der VCK auf die Stadthalle konzentrierte. So mixten wir dann zuerst einen " Kessel Buntes " im Gasthof Sielow. Hier gab es viele Höhepunkte: Jürgen und Uwe als Herricht und Preil, Brigitte und Doreen als Hurvinek und Spjebl, Rainer als Wolle Petry. Ohne Zweifel die Krönung war Gary als Milva. Als er einmal beim runtergehen von der Bühnentreppe mit den Stöckelschuhen ins Straucheln geriet, hatten wir schon eine böse Verletzung vermutet, Gary überspielte es galant. Schlimmer war sein Auftritt bei einer Rentnerveranstaltung in der Gaststätte " Zur Meise ", wo wir erst während des Auftrittes merkten, das es wohl etwas anzüglich ist, bei den Senioren das Lied " Hurra, wir leben noch " zu singen. Das Publikum klatschte und sah es nicht so verbissen, wie wir.
 
 

 Zu Gast auf der Alm, in Griechenland, im Märchenland, im Orient

    und in Italien - oder von der Sucht nach fernen Zielen 

 

Der Gasthof Sielow wurde zu unserem Stammsitz: Hier starteten wir unsere Reisen auf die Alm, in den wilden Westen, auf den Meeresgrund, nach Griechenland und ins Märchenland, in den Orient und nach Italien. Vieles passierte hier, woran sich viele erinnern werden. So brach mitten im Programm " Im Wilden Westen " die Sackkarre unter Helge zusammen, nicht geplant, Gudrun und Marion konnten vor Lachen kaum weiter moderieren. So war DJ Mario in einer Veranstaltung so betrunken, sodass wir die Veranstaltung abbrechen mussten. Nach übermäßigem Alkoholgenuss gingen Zahnersatzteile verloren. Weitere größere Katastrophen bleiben uns zum Glück erspart. Hier erblickten auch zahlreiche Narrenweiberoriginale das Licht der Welt: Gudrun und Christine wurden zu Mariechen und Liesbeth, Kerstin und Martina wurden zu Frieda und Resi. Die Klatschtanten und die Bäuerin mit ihrer Edelsau gibt es heute noch. Allerdings hat sich die Besetzung bei den Klatschtanten geändert, denn jetzt macht Roswitha für Christine mit. Hier traten unsere Funkenmariechen Marlit, Lisa, Susi und Lena zum ersten Mal auf und hier sang unsere Hofsängerin Heidi zum ersten Mal. Heidi schaffte es dann sogar unseren Verein mehrfach in der Fernsehsendung " Heut steppt der Adler " zu vertreten. Hier hatten auch unser DJ Uwe und jetzt unser aktueller Mann an den Reglern Hoffi und dazu Beleuchtungsexperte Rene ihren Einstand bei den Narrenweibern. Und: Hier wurde unsere Weiberfastnacht zur festen Größe im Cottbuser Veranstaltungskalender!   

 

Weiberfastnacht , Schlipse abschneiden- oder was uns unverwechselbar macht

 

 Von Anfang an hatten wir den Faible, einiges anders zu machen als andere Vereine. Manches haben wir geschafft, manches nicht durchgehalten: Bestand hat unser ungewöhnlicher Schlachtruf, den heute jedes Kind in Cottbus kennt. Bestand hat auch unser Umzug zur Weiberfastnacht, also am Donnerstag vor Rosenmontag, wo wir männlichen Mitarbeitern in der Hauptstelle der Sparkasse, in der Handwerkskammer und im Cottbuser Rathaus die Schlipse abschneiden. Dieser Termin hat uns auch zu Berühmtheit in allen Medien verholfen. 
Rasant hat sich unsere Frauensitzung am Donnerstag vor Rosenmontag entwickelt. Sie ist heute unsere beste Veranstaltung in jeder Session. Bewährt hat sich hier, als Gäste Männerballetts aus anderen Vereinen einzuladen. Wir sind dankbar, dass auf die Männer da immer Verlass ist. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle!!!!!!!!!!!!!!!!
Nicht durchgehalten haben wir das Weibergericht: Hier wurden Männer, zum Beispiel Olaf Schöpe, Franf Szymanski, Vaclav Bilek, Bernhard Neisener u.a., angeklagt und nicht von jeder Schuld frei gesprochen. Allerdings haben sich die Sprechszenen nicht bewährt und deshalb wurde das ständig " betrunkene " Weibergericht zur Entziehungskur geschickt, die nach wie vor andauert. Zur festen Tradition sind auch unsere Kinderkarneval- und Seniorenkarnevalveranstaltungen geworden. Stolz sind wir, dass wir zu den Cottbuser Vereinen gehören, die die ersten " Best of Cottbuser Karneval "- Veranstaltungen im Festzelt auf dem Cottbuser Viehmarkt mitgestaltet haben. Traditionell sind unsere Teilnahme am Umzug in Cottbus und unsere Besuche in Kausche danach als Dankeschön dafür, dass die Kauscher Präsidentin die Choreographie für unsere Frauentänze entwirft.
 
 
 

Was uns zum Verein machte oder wie aus Narren Freunde wurden 

 

 Viele Aktionen haben uns zu Freunden werden lassen. So sind Trainingslager bei uns Tradition. Wir haben schon im Schullandheim Burg, im Heidehof Bagenz und in der Alten Schule in Welzow geschlafen, trainiert, gegessen, gemalt, getanzt und gefeiert. Oft wurde bis in die frühen Morgenstunden gesungen, den Funken so manche Grusel- oder Jugendgeschichte erzählt, so manches Glas geleert und dabei wurden die besten Ideen geboren. Da wurde nicht nur über Karneval geredet, sondern über " Gott und die Welt ", auch über die Sorgen und Nöte der Kleinen und Großen. Immerhin haben wir es im Verein geschafft, dass viele Frauen Partner gefunden haben, dass einige von uns jetzt auch endlich eine Arbeit haben. Zum Vereinsleben gehören für uns auch die Teilnahme an den Männerballettturnieren in Kolkwitz. Viel Spaß hatten wir immer beim Sommerkarneval in Sergen, bei unseren Besuchen in Annahütte, Peitz, Forst, Bagenz, bei Cottbuser Vereinen. See- und Gartentreffs sind bei uns beliebt. Am Rande unseres Cottbuser Weihnachtsmarktauftrittes wird immer Glühwein getrunken. Sogar Silvester sind wir schon mal auf dem Cottbuser Altmarkt aufgetreten. Die Männer hatten da schon beim Strümpfe anziehen im Auto interessierte Zuschauer. Fast jeder von uns ist schon mal in eine neue Wohnung in den  letzten elf Jahren gewechselt und hatte da immer fleißige Helfer aus dem Verein. Klötzers haben das gleich zweimal praktiziert. Ehepaare in unserem Verein haben schon dutzende Ehestreits wegen des Karnevals überstanden und haben danach umso inniger zueinander gefunden. Es ist manchmal nicht leicht in so einer großen Truppe, aber es ist immer wieder schön und deshalb wollen wir gemeinsam auch die nächsten elf Jahre überstehen- als VCN !.